Chronik eines 115 Jahre alten Sportvereins, wass soll man hier schreiben. Als jüngerer Mensch muss man sich da auf das verlassen, was man erzählt bekommt. Ob man das dann noch vernünftig wiedergibt? Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1987 schrieb Burkhard Glombik den folgenden Artikel in der damaligen Festschrift. Diesen habe ich deswegen hier eingescannt und am Ende setze ich dann noch ein paar Sätze über die Zeit danach hinzu.
Günter Marx - seit 1984 in der Vorstandsarbeit


100 Jahre Sportfreunde Vollmerhausen


100 Jahre - das ist eine Zeit, die ein Mensch nicht überblicken kann. Und so ist es gut, wenn zu einem solchen Jubiläum, wie wir es jetzt feiern können, ein Rückblick auf diese Zeit hilft, vielleicht schon Vergessenes und auch fast oder ganz vergessene Menschen wieder ins Bewußtsein zu heben.

Denn es sind viele Menschen, die sich in dieser Zeit um den Verein und die Menschen in ihm verdient gemacht haben, ohne - und das ist heute ja gar nicht mehr so selbstverständlich - dabei etwas zu verdienen. Im Gegenteil, die ehrenamtliche Tätigkeit hat immer etwas gekostet und kostet auch heute noch die, die sie übernommen haben, Zeit und Geld.

Die »Sportfreunde Vollmerhausen« sind aus dem Turnverein hervorgegangen, dessen Gründervorstand aus folgenden Persönlichkeiten bestand:

Fr. Blaß, der zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde, Wilhelm Helmenstein, der erste Tumwart, August Puhl, der Kassenwart
August Prinz, der Schriftwart, Wilhelm und Carl Sattler, die zum ersten und zweiten Vorturner ernannt wurden, und Wilhelm Nusch.

In den ersten Monaten wurden die Turner häufig zu Versammlungen zusam­mengerufen, die wichtige Beschlüsse zu fassen hatten. So mußten die Turn­geräte nach und nach angeschafft, über Neuaufnahmen von aktiven Turnern entschieden und eine Satzungen entworfen werden.

Daneben war z.B. auch die Ausgestaltung der Feier zu Kaisers Geburtstag Ge­genstand der Diskussion. Es wurde dabei einstimmig beschlossen, den allein-sitzenden jungen Damen »ein Bier verabfolgen zu lassen, weil die Turner ebenfalls Bier trinken würden«.

Man sieht - die Gewohnheiten der Turner haben sich in manchen Dingen we­nig gewandelt.

Am 1. Januar 1888 trat der junge Verein dem >Oberbergischen Turngau« bei. Am 17. Februar 1888 beschloß der Vorstand, eine Fahne zu bestellen und da­für 150 Mark anzulegen. Jedes Vereinsmitglied mußte eine zusätzliche Zah­lung für diese Fahne leisten. Als die Fahne dann im April 1888 geliefert wurde, wurden der Fahnenträger, sein Stellvertreter und die Junker durch eine Mitgliederversammlung erwählt. Zu dieser Zeit hatte Ernst Rohr den Gründungsvorsitzenden Blaß abgelöst.

Die alte Fahne wurde immer hoch in Ehren gehalten, bis sie fast zerfiel. Im Jahr 1983 wurde sie der Bonner Fahnenfabrik eingeschickt, die dann feststell­te, daß sie nicht mehr zu reparieren war .So mußte sich der Vorstand entschließen, eine neue Fahne zu bestellen. Sie wurde im Jahr 1984 geliefert und zum hundertjährigen Jubiläum des Aggerta1er Tumgaus erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt.

Doch zurück zur Geschichte des Turnvereins, die gerade in den ersten Jahren viele bemerkenswerte Ereignisse aufweist. Die Akribie, mit der diese Ereignis­se aufgeschrieben wurden, zeigt uns, wie wichtig das Turnen von den Mitglie­dern des noch jungen Vereins genommen wurde.

Das erste Tumfest besuchten 20 Mitglieder des Vereins am 15. April 1888 in Marienhagen. Diesem Fest sollten bald weitere folgen, die Mühen der Turna­bende wurden durch erste Erfolge belohnt. Selbstverständlich gab es damals noch keine Turnhalle, die Übungsabende fanden in Sälen statt, die nicht ei­gentlich für derartige Veranstaltungen gebaut waren. So konnte es passieren, daß die Decke des Saales Spuren der turnerischen Betätigung am Reck aufwies.

Das erste eigene Tumfest wurde am 10. Juni 1888 gefeiert. Nach dem Einho­len der Gastvereine und einem Zug durch den Ort fand ein Schauturnen, Freiübungen, Riegen- und Kürturnen statt. Festlicher Höhepunkt war ein Ball, der zum Wegbringen der Fahne in einem Fackelzug unterbrochen wurde. Die­ses erste Tumfest brachte dem Verein zwar ein Defizit von 20,22 Mark, war sportlich aber ein voller Erfolg.

Am 1. Juli 1888 besuchte der Verein zum erstenmal ein Gau-Turnfest. 18 Tur­ner nahmen daran teil, selbstverständlich wurde nach Derschlag, dem Austragungsort, marschiert, obwohl seit 1887 die Bahnlinie von Siegburg durch das Aggertal bis Derschlag durchgeführt worden war. (Die Verbindung Overath -Köln-Kalk besteht erst seit 1910!) Viele derartige Veranstaltungen wurden noch besucht. Höhepunkt waren zweifellos die Deutschen Tumfeste in Köln, Stutt­gart, Breslau, Frankfurt, Hamburg, München und Essen, bei denen sich Ver­einsmitglieder als Sieger qualifizieren konnten.

Daß es keinen Preis ohne Fleiß gibt, ist dem »Grundgesetz des Vollmerhäuser Turnvereins« zu entnehmen, das die Gründer am 28. August 1887 beschlos­sen haben. Darin wurde bestimmt, daß »ein Turner ausgeschlossen wird, der ohne Entschuldigung die Übungsstunden nicht regelmäßig besucht«. Dreima­liges Fehlen galt dabei als unregelmäßiger Tumstundenbesuch. Geturnt wur­de sonntags von 16 bis 19 Uhr und mittwochs von 21 bis 23 Uhr. Ein Mitglied konnte auch dann ausgeschlossen werden, wenn es trotz einmaliger Auffor­derung seinen Monatsbeitrag von damals schon 50 Pfennig nicht bezahlte.

Das erste Gautumfest, das unser Verein ausrichtete, mußte - es war 1890 - noch auf einer Weide unterhalb des heutigen Güterbahnhofs ausgetragen werden. Erst 1908 wurde ein eigener Turnplatz gebaut, der hoch über dem Tal in günstiger Lage auf dem Kapellenberg angelegt wurde. Auf Initiative des Tbrs. Wilh. Nusch schuf der Kreis 1921 den heutigen Sportplatz als Kreisspiel­platz. Er wurde durch ein Gautumfest eingeweiht. Nach dem Zweiten Welt­krieg, 1950 bis 1952, wurde auch eine eigene Turnhalle am Sportplatz erbaut. Wieviel Stunden Freizeit für den Bau, die Erhaltung und Renovierung der Hal­le von Vereinsmitgliedern geopfert wurden, ist gar nicht abzuschätzen.

Im Mai 1954 schlossen sich der Turnverein Vollmerhausen von 1887 und der F.C. Hansa von 1908 zum Verein Sportfreunde 1887/1908 e.V. Vollmerhau­sen zusammen. Das Sportgelände ging in Vereinseigentum über und wurde seitdem von den beiden Abteilungen gemeinschaftlich benutzt.

Interessant ist es, einmal die Veränderung der turnerischen Betätigung zu ver­folgen, die sich im Laufe der Jahre vollzogen hat. Vor 100 Jahren wurde fast ausschließlich das Geräteturnen gepflegt. Das erste Gerät, das beschafft wur­de, war ein Barren. Außerdem wurde am Reck und an einem Schnur-­Sprunggestell geturnt. Zur Erstausstattung gehörten auch Eisenstäbe, die da­mals aus den Übungsstunden nicht fortzudenken waren.

Diese Geräte bestimmten neben den Freiübungen den Ablauf der Tumstunden. Nach dem Ersten Weltkrieg kam als Turnspiel das Faustballspiel dazu. Es zeigte sich, daß in dieser Sportart, die viel Gewandtheit und Kondition er­fordert, Erfolge errungen werden konnten. So wurde 1924 in Marburg gar um die deutsche Jugendmeisterschaft gespielt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein weiteres Turnspiel »modern«, das Prell­ballspiel. Einige Zeit neben dem Faustballspiel betrieben, schob es sich in un­serem Verein immer mehr in den Vordergrund. In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre und noch bis zur Mitte der Siebziger waren unsere Mannschaf­ten führend im Aggertaler Turngau, die damalige »Altersmannschaft« wurde sogar Mittelrheinmeister.

Zu Ehren des im Zweiten Weltkrieg gefallenen Obertumwartes Otto Schnei­der, der nicht nur aktiver Spieler war, sondern auch das Turnspiel sehr förder­te, richteten die »Sportfreunde Voll merhausen« von 1967 an über mehrere Jahre das »Otto Schneider-Gedächtnisturnier« aus, das Mannschaften nicht nur aus Nordrhein-Westfalen anzuziehen vermochte.

Die jüngste Entwicklung zeigt eine weitere Verschiebung bei den Turnspielen hin zum Volleyball. Mehr darüber ist an anderer Stelle der Festschrift zu lesen.

Nun mag mancher die Entwicklung nicht gutheißen, der erkennt, daß das »klas­sische Turnen« in seiner Bedeutung durch die Turnspiele geschmälert wird. Man muß aber bedenken, daß auch diese Spiele den ganzen Körper beanspru­chen und daher eine große Leistungsfähigkeit voraussetzen. Diesem Erfordernis wird zunehmend durch moderne Trainingsmethoden Rechnung getragen, zum Beispiel durch das Circuit-Training.

Schon die Kleinsten werden in unserem Verein spielend an das Turnen heran­geführt. Seit 1966 war ein Nachmittag dem »Turnen für Mutter und Kind« vor­behalten. So früh wie möglich und so weit wie möglich sollen die Kinder vor Haltungsfehlern und einem Verfall der Körperkräfte infolge der Bewegungsarmut bewahrt werden. Dieses Angebot fand so viel Zuspruch, daß eine zweite Übungsgruppe einge­richtet werden mußte, und das in einer Zeit, in der allgemein ein Rückgang der Geburtenrate beklagt wird.

Als letztes großes Jubiläum feierte der Verein im Jahre 1967 »80 Jahre Turnen in Vollmerhausen«. Manches hat sich seit dieser Zeit verändert. Sehr bedeutsam war nach fast zwanzigjährigem gemeinsamen Weg das Aus­scheiden der Fußballabteilung aus dem Verein, die in der außerordentlichen Hauptversammlung vom 28. April 1971 beschlossen wurde. Sportliche Grün­de veranlaßten die Fußballer, sich dem TSV Dieringhausen anzuschließen.

Verlor der Verein damit eine bedeutende Abteilung, so wurde auf der anderen Seite seit dem Jahreswechsel 1967/68 das Angebot um das Schwimmen er­weitert. Von dieser Zeit an steht dem Verein ein Übungsabend im Aggerbad zur Verfügung.

Einen wichtigen Einschnitt in der Vereinsgeschichte bedeutete dann die Ab­gabe des Sportplatzes und der alten Turnhalle an die Stadt Gummersbach und die Inbetriebnahme der neuen Turnhalle am Schulberg durch die einzelnen Gruppen des Vereins im Jahre 1973. Die Last der Unterhaltung der alten Turn­halle war so groß geworden, daß der Verein sie nicht mehr tragen konnte. In langen, schwierigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Gummersbach wurden schließlich über die Hallen- und Kleinspielfeldnutzung Vereinbarungen erzielt, die im wesentlichen noch heute gelten und dem Verein auch im allge­meinen ausreichend Übungszeiten gebracht haben.

Die Übungsbedingungen entsprechen in der »neuen« Turnhalle - so wird sie immer noch genannt - den Anforderungen, die man in der heutigen Zeit stellt. Der Verein seinerseits bemüht sich, den Anforderungen der Mitglieder durch den Einsatz qualifizierter Übungsleiter gerecht zu werden. Daß dies zu gelin­gen scheint, beweist die Tatsache, daß die Mitgliederzahl sich seit 1967 ver­doppel hat .Neben dem Breitensport, dem sich der Verein besonders verpflichtet fühlt, wird seit 1986 wieder in einer Sparte Leistungssport betrieben:

Von der Spielzeit 1986/87 an spielt eine Volleyball-Mannschaft in der Kreis­klasse. Die ersten Ergebnisse sind ermutigend.

So stellt sich der Verein Sportfreunde Vollmerhausen 87/08 e.V. als eine Ge­meinschaft dar, die mit ihrem breitgefächerten Angebot vielen etwas bringen kann, vom dreijährigen Kind bis zur Turnerin von 80 Jahren. Neben Sport und Spiel kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz, Neujahrstreffen, Frühlingsfest oder Karnevalssitzung und Himmelfahrtswanderung werden vom ganzen Verein wahrgenommen, daneben gibt es noch vielfältige Aktivitäten in den ein­zelnen Gruppen.

So gehen wir getrost in das zweite Jahrhundert unserer Vereinsgeschichte:

Zwar hundert Jahre alt, aber noch jung.

Burkhard Glombik im Jahre 1987

Die Zeit nach dem 100-jährigen


Das Leben im Verein ging weiter. Der Besitzer der Schule, und daher auch der Turnhalle, ging von der Stadt an den Kreis über, aber die Verträge wurden übernommen.

Sportlich stieg die Volleyball - Herren - Mannschaft in die Kreisliga auf, später auch über die Bezirksklasse gar in die Bezirksliga und war dann mit Wipperfürth die im Bergischen am höchsten spielende Herrenmannschaft. Ab 1989 wurde dann auch eine Volleyball - Mixed - Mannschaft gegründet. Seit 1991 spielt diese dann auch auf Kreisebene, erst in der Kreisklasse und seit 1995 in der Kreisliga. Im Jahre 1993 spielte gar eine 2. Mannschaft, wurde dann Mangels Masse eingestellt, aber seit sich die Herrenmannschaft 1996 auflöste gibt es wieder eine zweite Mannschaft, die seit 1997 auch auf Kreisklassen-Ebene spielt.

Im Jahre 1996 wurde zudem eine Badmintongruppe ins Leben gerufen, die besonders in den letzten Jahren boomt und viele junge Leute zum Sport bringt. Seit der Saison 2001/2002 nimmt auch diese am Spielbetrieb teil. Dort nennt man es Verbandsspiele der Badminton-LandesGruppe NRW. Stark angenommen wurde auch die Laufgruppe. Zusammen mit der 4 weiteren Vereinen hat man vor Jahren die Leichtathletik (für einen Verein alleine zu unattraktiv)  unter eine Regie gestellt, die LG Gummersbach. In Vollmerhausen treffen sich vor allen Dingen die Läufer und gehen dort in verschiedenen, der Stärke nach eingeteilten, Gruppen ihrem Sport nach.

Auch die weiteren Gruppen zeigen gute Entwicklungen, wie es in den einzelnen Gruppenberichten nachzulesen ist.

Als Festivität bot man lange Jahre die Vollmerhäuser Karnevalssitzung an. Ein eigener Elferrat präsentierte eine ca. 5-stündige Sitzung mit anschließenden Tanz. Eigene Aufführungen (aus Frauen-, Männer- und gemischte Gruppen), gemischt mit 'gekauften' Darbietungen brachten der Veranstaltung einen großen Wert im Oberbergischen Karneval zu der Zeit. Leider verlor die Veranstaltung der Charakter des Vereinsfestes, denn zum Schluss waren fast mehr fremde Besucher als Vereinsmitglieder im Saalpublikum. Man versuchte es danach mit einem Herbstfest für die Vereinsmitglieder, aber die Besucherzahlen waren nicht attraktiv. Zur Zeit sucht man einer zündenden Idee für ein Vereinsfest, denn es muss ein Fest für und mit den Mitgliedern sein.

Im Jahre 1998 trat Heinz Gaspers nach 18 Jahren 1. Vorsitzender ab und wurde dann einstimmig zum 1. Ehrenvorsitzenden des Vereins gewählt.

Übernommen wurde der Verein von einem im Durchschnitt deutlich verjüngten Vorstand. Neue Aufgaben erwarten den Vorstand. Sicherlich hat sich das Vereinsleben heutzutage geändert, aber die Aufgaben werden angenommen und man versucht den Verein der neuen Zeit anzupassen.

Günter Marx, Anfang 2002

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